Das Demente Museum verfügt über eine unüberschaubar große Zahl von Objekten aller Art und ausgedehnte Liegenschaften an verschiedenen Orten der Welt. Doch gingen ihm aus unterschiedlichen, leider weder revidierbaren noch nachvollziehbaren Gründen nahezu alle einschlägigen Aufzeichnungen zu seinen Beständen – Inventare, Urkunden, Eintragungen in Kataster und dergleichen – im Laufe seiner langen Geschichte verloren. Dieser missliche Umstand führte dazu, dass seine Bestände gegenwärtig im Wesentlichen nur noch aus den Erinnerungen seiner ehemaligen Mitarbeiter und Besucher, in Einzelfällen allerdings auch aus sekundären Quellen, rekonstruiert werden können. Zwar konnten auf diese Weise nicht wenige Objekte, ja ganze Räume des Museums wieder aufgefunden werden, doch blieben und bleiben die entsprechenden Angaben in mitunter hohem Maße unvollständig und ließen und lassen sich daher nicht bewahrheiten. Denn, wie jedermann weiß: Menschliche Gedächtnisse sind nicht nur lückenhaft, sondern von jeweils aktuellen Interessen geprägt und deshalb eine unzuverlässige Quelle.

Aus dieser Einsicht und in der Annahme, dass Wissen zwar in unvorhersehbarer Weise zerstreut, jedoch nicht verloren gehen kann, hat das Museum eine radikale Konsequenz im Hinblick auf seine Arbeitsweise gezogen: Der erste Schritt war, sich offen zu seinem Zustand zu bekennen und sich nicht nur in Das Demente Museum umzubenennen (früher hieß es irgendwie anders), sondern als ein dementes Museum neu zu erfinden und zu definieren. Der zweite, logisch daraus folgende Schritt war, auf den für viele Museen charakteristischen autoritär-patriarchalen Habitus ganz und gar zu verzichten und sein Schicksal vollständig in die Hände seiner Besucher, Unterstützer und sonst wie an ihm Interessierten zu legen. Für die museale Praxis bedeutet dies im dritten gedanklichen Schritt, dass Das Demente Museum seine Bestände an Objekten offen, das heißt im status dementia vorzeigt und alle, die zur Rekonstruktion ihrer Bedeutung glauben beitragen zu können, auffordert, ihr Wissen zur Verfügung zu stellen. Das Demente Museum garantiert – dies ist der vierte Schritt, alle irgendwie nützlichen Beiträge, und mögen sie dem Beitragenden selbst auch noch unbedeutend erscheinen, aufzunehmen und nach Maßgabe seiner Möglichkeiten zu behalten und zugänglich zu machen.

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The Demented Museum holds an almost unmanageable number of objects of all kinds and vast real estate in different places of the world. However, in the course of its long history, for diverse and unfortunately neither revisable nor obvious reasons, the museum lost almost all relevant records to its assets – inventories, deeds, entries in cadasters and the like. This invidious circumstance led to the fact, that, currently, most of its holdings can be reconstructed only from the memories of former employees and visitors, and in individual cases from secondary sources. Although in this way quite a few objects, and even entire rooms of the museum could be retrieved, knowledge of them remained and remains largely incomplete and therefore could not and cannot be proved true: As everyone knows human memory is not only incomplete, but is driven by the current generational, cultural and political interests and is therefore an unreliable source.

With this insight , and on the assumption, that even if knowledge is dissipated in unpredictable ways, it can not be lost , the museum has drawn a radical conclusion with regard to its operations: The first step was to openly profess its condition and not only to rename itself The Demented Museum (its original name has been forgotten in the meantime), but to reinvent and define itself as a demented museum. The second, logical step was to dispense altogether the for many museums characteristic authoritarian-patriarchal habit and put its fate entirely in the hands of its visitors, supporters and others who might be interested in its work. For museum practice, this means, in a third conceptual step, that The Demented Museum will display its holdings of objects openly, that is, in dementia status, and prompts all, who believe they have anything to contribute to the reconstruction of their meaning, to make their knowledge available. The Demented Museum will guarantee – this is the fourth step, to record, discuss and maintain all somehow useful contributions, even those which may seem insignificant to contributors themselves, and make them accessible, in accordance with its capabilities.